Experimentleitfaden 

Eine Kurzversion des Experimentleitfadens zum Ausdrucken findest Du unter den Downloads. Bitte lies aber hier wichtige Infos, die dort nicht angeführt sind.

Gleich vorweg: Falter dürfen nur unter Anleitung lizensierter Experten gefangen werden!

Das ist Deine Aufgabe
Du sollst Falter-Experte werden: Finde heraus, welche Schmetterlinge in dem von dir untersuchten Garten vorkommen, und was sie dort tun: Saugen sie an den Blüten? Legen sie vielleicht sogar Eier ab? Oder fliegen sie über den Garten hinweg? Findest Du in einem großen Garten mehr verschiedene Falter als in einem kleinen? Welche Falter, und wieviele verschiedene, findest Du im Garten? Welche Falter leben in einem Garten mit kurzem Rasen, und welche in einem Garten mit Bereichen, die „ungepflegt“ und wild dahin wachsen?

Dabei konzentrieren wir uns auf die Beobachtung ausgewachsener Falter – denn es ist noch viel schwieriger, Raupen, Puppen, oder gar Eier zu finden!

Mit der Erfahrung aus deinen Beobachtungen wirst du dann folgende Fragen beantworten können: Welche Arten kommen im Garten vor? Warum? Wie kann ich weitere anlocken? Wie kann ich die Lebensbedingungen für Schmetterlinge und ihre Entwicklungsstadien (Falter, Raupen…) in (m)einem Garten verbessern?

Wir Wissenschafterinnen von der BOKU sind sehr neugierig auf deine Entdeckungen! Du leistest einen wichtigen Beitrag zur Forschung! Voraussetzung ist natürlich, dass Du exakt arbeitest (bitten nicht raten!! Und nicht schummeln!!) Wenn du unsicher bist, welchen Falter du gesehen hast, schreib das am Erhebungsbogen dazu, und versuche immer, Fotos zu machen!

Was brauchst du bevor du beginnst?
Ab Ende März/Anfang April kann die Falterjagd im Garten losgehen. Davor ist noch einiges zu tun.

Inachis io - Tagpfauenauge OS_Joerg.Hempel_CC-BY-SA.2.0Aglais urticea - Kleiner Fuchs OS_Friedrlich_Boehringer.CC-BY-SA2.5Vanessa_atalanta_1_Luc_Viatour.CC-BY-SA3.0Vanessa cardui - Distelfalter OS.Quartl.CC-BY-SA3.0
Tagpfauenauge (Foto: Joerg Hempel, CC-BY-SA.2.0)Kleiner Fuchs (Foto: Friedrlich Boehringer, CC-BY-SA2.5)Admiral (Foto: Luc Viatour, CC-BY-SA3.0)Distelfalter (Foto: Quartl, CC-BY-SA3.0)
Melanargia galathea - Schachbrettfalter OS_MichaD_CC-BY-SA2.5Gonepteryx rhamni - Zitronenfalter US.M_Joerg.Hempel.CC-BY-SA2.0Anthocharis cardamines - Aurorafalter OS M_Michael.H.Lemmer.CC-BY-SA2.5Papilio_Machaon_Schwalbenschwanz.jamon.jp.CC-BY-SA3.0
Schachbrettfalter (Foto: MichaD, CC-BY-SA2.5)Zitronenfalter (Foto: Joerg Hempel, CC-BY-SA2.0)Aurorafalter (Foto: Michael H. Lemmer, CC-BY-SA2.5)Schwalbenschwanz (Foto: jamon.jp, CC-BY-SA3.0)

  • Das Wichtigste: Falter bestimmen lernen! Sieh dir am Erhebungsblatt an, welche Falter du antreffen kannst. Die acht „Zielarten“ (Nummer 1-8) sollen von allen SchülerInnen beobachtet werden. Präge sie dir gut ein – es gibt dazu auch Bestimmungstafeln, Artensteckbriefe und Spiele (z.B. Quartett und Memory).
  • Für Fortgeschrittene: Übe auch, weitere Arten zu erkennen und unterscheiden! Die Arten Nr. 9-12 am Erhebungsbogen können auch im Garten vorkommen, und sind auch relativ leicht zu erkennen. Bei Nummer 13-16 wird es schwieriger: Hier gibt es einige sehr ähnliche Arten! Die Profis unter Euch können versuchen, diese Falter mithilfe eines guten Bestimmungsbuches bis auf die Art zu bestimmen. Es ist aber auch super, wenn Du die Familie („13 Bläuling“, „14 Dickkopffalter“), oder die Artengruppe („15 Kohlweißling“, „16 Wiesenvögelchen“) erkennst! Schreib immer genau hin, was Du erkennst: die „Artengruppe“, oder die Art, oder auch, dass es unsicher ist.

Je intensiver Du schon jetzt übst, Falter zu erkennen, desto leichter wird es Dir im Garten fallen, und desto mehr Freude wirst Du daran haben!

  • Übe schon bevor du in den Garten gehst, Falter auf einer Wiese oder Brache (oder am Waldrand) mit dem Kescher zu fangen! Das ist gar nicht so leicht! Außerdem muss man üben, dass man dabei nicht die Blüten „köpft“ oder abknickt! Das kann bei Gartenblumen leichter passieren, da sie oft größere Blüten haben als die Wiesenblumen. Daher ist es gut, auf einer Wiese zu üben!

Folgende Ausrüstung brauchst Du dann auch im Garten:

  • Bestimmungshilfen
  • Erhebungsbogen: sieh ihn dir an, ob du dich auskennst, und besprich ihn mit deiner Lehrerin/ deinem Lehrer!
  • Fotoapparat oder Handy zum Fotografieren: Der beste Nachweis für einen Falter ist ein Foto! Es hilft auch zum Nachfragen, wenn Du dir unsicher bist, welcher Falter es denn nun wirklich ist!
  • Schmetterlings-Kescher! Wenn Ihr zu zweit oder mehrere seid, mindestens 2 Kescher mitnehmen! Die Bastelanleitung findest Du hier.
  • Mehrere Becherlupen oder Marmeladengläser mit Deckel (darin kannst du gefangene Falter beobachten; beim Marmeladenglas: mach Löcher in den Deckel!)
  • Schreibmaterial
  • Thermometer: Die Aktivität von Faltern ist sehr temperaturabhängig! Gibt es ein Thermometer an der (schattigen) Hauswand? Oder kannst du eines mitnehmen?


Los geht’s – Plane und beginne die Falterjagd!
Wählt einen Tag aus, der möglichst warm (über 15 Grad!) und windstill ist, und an dem es seit mindestens 2 Tagen nicht stark geregnet hat. (Bei langandauernden oder sehr heftigen Regenfällen kann es vorkommen, dass alle Falter umkommen. Dann müssen erst neue schlüpfen, bevor du wieder welche sehen kannst!). Der ideale Zeitpunkt um Falter zu beobachten ist vom späten Vormittag an bis zum Nachmittag.

Die Falterjagd sollte zumindest zu zweit erfolgen, da es verschiedene Aufgaben gibt: Beobachter (evtl. sogar mit Fernglas!), Protokollführer, Fotograf, Jäger (mit dem Kescher), Sammler (gibt Falter vom Kescher in das Glas).

Wenn ihr im Garten seid:
Vorbereitung der Erhebung: Füllt gleich zu Beginn den oberen Abschnitt des Erhebungsbogens aus. Temperatur im Schatten messen und eintragen.

1.Teil der Erhebung: ohne Fangen!

  • Beginn-Uhrzeit eintragen!
  • Jetzt geht ihr auf Falter-Suche: Findet und beobachtet – vorerst OHNE ZU FANGEN – genau 15 Minuten lang alle Falter, die Ihr innerhalb des Gartens seht! Der Protokollführer füllt gleich im Erhebungsblatt aus: welche Art? Welches Verhalten (z.B. „saugt auf Blüte“…)?
  • Mache von jedem Falter, den du nicht ganz sicher erkennst, ein Foto von der Ober- und Unterseite! Das geht am besten, wenn er ruhig an einer Blüte saugt. Besser, zuerst mal gleich von der Entfernung ein „Sicherheits-Foto“ machen, und dann nochmal näher dran, damit er nicht entwischt!
  • Geht den ganzen Garten ab: Es kann sein, dass ein Falter so ruhig auf einer Blüte oder unten im hohen Gras sitzt, dass du ihn erst siehst, wenn er wegfliegt.

2. Teil nach 15 Minuten:

  • Jetzt könnt Ihr alle Falter fangen, die ihr vorher schon gesehen habt und NICHT erkannt habt, und auch NICHT (gut) fotografieren konntet.
  • GANZ WICHTIG: Bitte achte im Garten immer darauf, dass Du nichts beschädigst oder kaputt machst! Betritt keine Gemüse- und Blumenbeete! Hinterlasse möglichst keine Spuren! Mach mit dem Kescher keine Blumen kaputt!
  • Die gefangenen Falter gebt Ihr vom Kescher heraus und in ein Beobachtungsglas hinein. Glas in den Schatten stellen. Wenn möglich, nur 1 Falter pro Glas – dann beunruhigen sie sich nicht gegenseitig.
  • Setzt Euch gemütlich im Schatten hin und beginnt, alle Falter in den Gläsern der Reihe nach zu fotografieren und zu bestimmen. Dabei könnt Ihr Euch so lange Zeit lassen, wie Ihr eben braucht.
  • Tragt alle Falter in das Erhebungsformular ein und vervollständigt es. (Nicht auf die Falter vergessen, die Ihr schon vorher beobachtet, aber nicht gefangen habt!)
  • End-Uhrzeit eintragen!

 

Was ist, wenn…. (mögliche Fragen und die Antworten dazu): Gonepteriyx_rhamni_Zitronenfalter.W._Richard_Bartz.CC-BY-SA2.5

 

F: Warum darf ich nicht gleich von Anfang an fangen, sondern erst nach 15 Minuten? A: Weil die Falter beim Fangen sehr beunruhigt werden und davonfliegen. Es könnte passieren, dass Du 3 verschiedene Falter siehst, beim Fangen keinen davon erwischt, – und dann auch keinen mehr da hast zum Beobachten & Protokollieren. Daher ist es besser, du beobachtest und fotografierst sie zuerst einmal ganz ruhig…

F: Muss ich nach den 15 Min. jeden Falter fangen? A: Nein, wenn Du ihn sicher erkennst, kannst Du ihn weiterfliegen lassen. Aber gleich aufschreiben!

F: Kann ich einen Falter auch ohne Kescher fangen? A: Definitiv NEIN! Niemals mit der bloßen Hand fangen! Dabei kann er verletzt werden!

F: Jetzt hab ich alle Falter im Glas bestimmt, weiß aber nicht mehr, welcher was gemacht hat. Was soll ich tun? A: Nicht raten! Bei Verhalten nichts ankreuzen, und evtl. Freitext eingeben.

F: Was ist, wenn ich gar keinen Falter sehe? Soll ich länger als 15 Min. warten? A: Nein. Die 15 Min. sind eine „standardisierte“ Zeit (damit die Aufnahmen vergleichbar sind). Diese „Null-Beobachtungen“ sind ebenso wertvoll! Gib die anderen Daten, die du ausfüllen kannst, trotzdem ein, damit wir wissen, dass du im Garten warst!

F: Was ist, wenn ich NACH den 15 Minuten neue Falter sehe, die ich vorher noch nicht gesehen habe? A: Du kannst sie auch beobachten/fangen/bestimmen, ABER: Kreuze sie bitte im Erhebungsbogen NICHT bei den 16 Arten an, sondern schreib sie EXTRA hinein, unten auf der 2. Seite im Feld bei „Sonstige Anmerkungen“. Diese Daten werten wir auch aus, aber getrennt von jenen aus der 15 Min.-Standard-Zeit.

F: Der Falter „zappelt“ so viel, dass ich ihn nicht fotografieren kann. Was soll ich tun? A: Stelle das Glas mit dem Falter in den Schatten. Wenn er abkühlt, wird er langsamer.

F: Ich kann den Falter nicht sicher bestimmen – am Bestimmungsblatt ist keiner, der genau so aussieht! A: Bitte NICHT raten!! Unter „Sonstige Anmerkungen“ kannst Du ihn kurz beschreiben, dann mach ein möglichst gutes Foto von der Oberseite UND von der Unterseite und lade es auf die Homepage. Wir können ihn dann nachbestimmen und Dir (hoffentlich) sagen, welche Entdeckung du gemacht hast.

F: Was ist, wenn ich außerhalb des Gartens einen Falter sehe? A: Du kannst ihn auch beobachten/fangen/bestimmen/aufschreiben, ABER: NICHT im Erhebungsbogen bei den 16 Arten ankreuzen, sondern bei „Sonstige Anmerkungen“ hinschreiben, UND dazuschreiben, dass du ihn außerhalb des Gartens gesehen hast!

Was sonst noch zu tun ist:
Schreibt auch auf, wenn Ihr andere Tiere seht!

  • Wiederholungen der Beobachtungen: Jeder Garten wird mindestens an 2 Tagen auf Falter untersucht (je öfter, desto besser!). Wenn du deinen Garten nur 2 oder 3 mal untersuchst, sollen mindestens 3 Wochen dazwischen sein (weil die verschiedenen Falter nicht alle zur gleichen Zeit fliegen!).
  • Alle Gärten deiner Schulklasse sollen an zumindest 2 Terminen am selben Tag (oder an 2 aufeinanderfolgenden Tagen) untersucht werden, damit die Funde in den Gärten vergleichbar sind. (Dazu könnt Ihr z.B. während der Schulzeit gemeinsam in die umliegenden Gärten gehen, und am Nachmittag zusätzlich zu den Auswärtigen. ODER ihr nehmt Euch z.B: vor: „Dieses Wochenende macht jeder von uns seinen/ihren Garten, Start am Sonntag um 11 Uhr“…)

Warum finde ich keinen Falter?
Wenn du bei der Begehung „nichts“ siehst, ist das auch eine wertvolle Beobachtung! Es kann verschiedene Gründe haben:

  • Vielleicht wart ihr etwas stürmisch, und die Falter sind weggeflogen, bevor Ihr sie entdeckt habt? Versucht Euch, beim nächsten Mal besser „anzuschleichen“.
  • Möglicherweise passt die Witterung nicht. Wenn zu viel Wind ist, sieht man Falter nur sehr schwer, weil sie sich in der Vegetation verstecken. Wenn es zu kalt ist, können sie nicht fliegen und sind daher auch schwer zu entdecken.
  • Blüht nichts im Garten oder in der Umgebung? Oder gibt es nur „gefüllte“ Blüten? (d.h. Zuchtformen von Blumen, die viele Blütenblätter, aber keinen Nektar haben). Dann finden die Falter möglicherweise keine Nahrung und halten sich anderswo auf.
  • Wenn du in dem Garten bei keiner Begehung einen Falter siehst, kann dies auch andere Ursachen haben. Diese werden wir mithilfe all der gesammelten Daten später gemeinsam herausfinden. So können wir auch Vorschläge machen, wie Gartenbesitzer Falter in ihrem Garten fördern können.

Das wichtigste zuletzt: so kannst du deine Daten eingeben:

NACH dem Gartenbesuch: Über den Menüpunkt Dateneingabe kannst du deine im Garten erhobenen Daten von den Erhebungsbögen in die Datenbank übertragen und ladest deine Fotos hoch. Bitte von jedem Falter – falls vorhanden – möglichst nur 1 Foto der Oberseite und 1 Foto der Unterseite hochladen. Falls Du mehrere Fotos einer Art hast, wähle das beste Foto aus.

Die Original-Erhebungsbögen und Fotos bitte unbedingt aufheben (auch nach der Eingabe auf der Homepage)!!! Vorschläge zur Datenablage und Beschriftung der Foto-Dateien folgen noch.

Auch wenn keine Falter entdeckt werden konnten, muss das auf der Homepage eingegeben werden! Ein Fehlen von Faltern ist als Ergebnis genauso wertvoll wie ein nachgewiesener Falter!

Und jetzt kann´s losgehen: Viel Spaß und viel Erfolg!

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